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für den 16.09.2019

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Diana Wagner  bei der Arbeit im  Heilpädagogischen Zentrum in Pskow (Russland). Diana Wagner bei der Arbeit im Heilpädagogischen Zentrum in Pskow (Russland).

Initiative Pskow

„Ich bin erwachsener geworden“

Diana Wagner hat ein Freiwilliges Soziales Jahr im Heilpädagogischen Zentrum in Pskow/Russland verbracht. Im Interview erzählt die 19-Jährige aus Essen wie sie die Arbeit mit behinderten Kindern geprägt und verändert hat.

Sie haben jetzt ein Freiwilliges Sozial Jahr (FSJ) im Heilpädagogischen Zentrum in Pskow verbracht. Wie hat Sie diese Arbeit geprägt?

 

Diana Wagner: Durch diese Zeit hat sich mein Verhältnis zu Menschen mit Behinderungen verändert. Vor dem FSJ hatte ich eigentlich gar keinen direkten Kontakt zu ihnen. Und so ausgeprägte Behinderungen, wie es sie dort in der Schule gab, hatte ich in Deutschland noch nicht gesehen. Ich bin auf jeden Fall erwachsener geworden und mache nicht mehr aus jeder Mücke einen Elefanten.

 

Wie kamen Sie darauf, das Freiwillige Soziale Jahr ausgerechnet in Russland zu machen?

 

Diana Wagner: Das hatte persönliche Gründe. Meine Familie kommt aus Kasachstan und ich habe dort auch einen Cousin, der behindert ist. Durch fehlende ärztliche Behandlung ist er taubstumm geworden. Die Familie kann es sich nicht leisten, ihn auf eine entsprechende Schule zu schicken. Er lebt einfach nur zu Hause und hilft auf dem Bauernhof. Hier ist das ganz anders: Ich habe kurzem eine kleine Schwester bekommen, die nach der Geburt gesundheitliche Probleme hatte. Aber ihr wurde sofort geholfen und alles ist  gut gegangen. Dadurch ist mir bewusst geworden,  wie ungerecht die Verteilung in der Welt ist und dass wir in Deutschland das Glück haben, eine gute ärztliche Behandlung zu bekommen. Das war der Auslöser, mich in Russland zu bewerben.

 

Wie kam Ihre Entscheidung in Ihrem Umfeld an?

 

Diana Wagner:  Dass ich nach Russland gehen wollte, haben viele nicht verstanden. Mir wurde auch empfohlen, doch eher etwas „entspannenderes, stressfreieres“ zu machen. Die Wichtigkeit dieser Arbeit wurde oft nicht gesehen. Einige Freunde fanden es aber echt schön, dass ich so ein Projekt unterstützen möchte.

 

Was genau haben Sie denn dann im Heilpädagogischen Zentrum gemacht?

 

Diana Wagner: Meine Aufgaben waren die Betreuung und Pflege der Kinder. Ich habe mit den ihnen gespielt, Windeln gewechselt, ihnen beim Umziehen und Essen geholfen und die Pädagogen bei den Lern-Einheiten unterstützt,

 

Gab es besonders prägende Momente für Sie?

 

Diana Wagner: Ja, Schlimmes und Schönes. Was ich ganz schlimm fand, war ein Moment, als ein autistischer Junge Aggressivität gegen sich selbst entwickelte. Ich habe seinen inneren Kampf mitbekommen: Ich habe gemerkt,  dass etwas in seinem Kopf vorgeht, das das Bedürfnis auslöste sich zu verletzen, er dabei aber gleichzeitig diesen Schmerz empfand. Zu wissen, dass er von den Ärzten nicht die Hilfe bekommt, die er bräuchte, ist furchtbar. Aber die schönen Momente überwogen, zum Beispiel am Muttertag, als wir ein Video mit Bildern von den Kindern und ihren Müttern zusammen geschnitten haben. Zu sehen, wie gerührt und dankbar die Mütter waren, hat mich berührt.

 

Wie wird Behinderung in Russland wahrgenommen?

 

Diana Wagner: Unterschiedlich. Manche Leute reagieren verschreckt oder sogar ablehnend. Einmal wir mit den Kindern eine Kirche besuchten, hat uns eine Frau bemerkt. Sie hat angefangen zu beten und fast geweint, bevor sie panisch rausgelaufen ist und dabei fast ein Kind weggestoßen hat. Ein anderes Mal sagte ein Taxifahrer zu mir, dass er nicht verstehe, wieso Frauen in „so Einrichtungen“ arbeiten würden. Ich habe ihn direkt gefragt, wieso sie dort denn nicht arbeiten sollten, worauf er antwortete, dass Behinderte ja krank wären und stinken würden. Da wäre ich am liebsten ausgestiegen. Ein anderer Taxifahrer fand unsere Arbeit aber richtig gut und wünschte sich, dass mehr Menschen die Initiative unterstützen sollten.

 

Welche Erfahrungen aus Pskow nehmen Sie für Ihre Zukunft mit? 

 

Diana Wagner: Die Zeit dort hat meinen beruflichen Werdegang beeinflusst. Vor dem FSJ habe ich daran gedacht, Medizin zu studieren, aber durch die Gespräche mit den Pädagogen und Erziehern möchte ich mich jetzt in Richtung Psychologie/ Psychotherapie orientieren. Besonders die Arbeit mit Autisten interessiert mich. Ich habe viel mit Kindern zu tun gehabt, die unter schweren Stufen des Autismus leiden. Ein besonders schönes Gefühl ist es, wenn man mit ihnen lernt und sie es am Ende schaffen, eine Aufgabe zu lösen.

 

Ihr Fazit zu dem Jahr?

 

Insgesamt hat mir die Arbeit dort sehr viel Spaß gemacht. Ich habe eine zweite Familie gefunden. Und ich möchte auf jeden Fall nächstes Jahr nochmal nach Russland kommen – im Mai zum Festival „Andere Kunst“, bei dem Leute mit Behinderungen aus verschiedenen Städten Theaterstücke aufführen

 

 

 

Initiative Pskow

Die "Initiative Pskow in der Evangelischen Kirche im Rheinland e.V" setzt sich für deutsch-russische Versöhnungsarbeit ein, indem sie Projekte in der russischen Stadt Pskow in den Bereichen Behindertenarbeit, Soziales, Bildung, Handwerk, Kultur und Kirche unterstützt und durchführt. Zu ihren wichtigsten Projekten gehören das Heilpädagogische Zentrum Pskow (HPZ) und die Werkstatt für behinderte Menschen, die zusammen mit dem Frühförderungszentrum Menschen mit Behinderungen von Geburt an bis ins hohe Alter begleiten.

Das Heilpädagogische Zentrum Pskow wurde im Jahr 1993 fertiggestellt und ist eine Schule mit etwa 50 Plätzen für  geistig und körperlich mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche. Getragen und gebaut von der evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg war es das erste Zentrum seiner Art für ganz Russland, und leistet heute noch Pionierarbeit in der russischen Behindertenarbeit.

Der Initiative Pskow gehören mehr als 300 Mitglieder an. Ihre jährliche Versammlung findet am Samstag, 14. September, in der Gesamtschule Hilden statt. Dort wird unter anderem auch Diana Wagner von ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr im HPZ berichten.

 

 

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ekir.de / Sophie Dönertas, Foto: privat / 13.09.2019



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